Warum es sich lohnt allein zu reisen

Weil es Mut erfordert und wir diesen Mut beweisen wollen. Wir wollen die Entschlossenheit aufbringen, die in dieser Welt nötig ist um in ihr alleine zu Recht zu kommen. Wir wollen fortgehen, ohne die Geborgenheit unserer Familien und Freunden, ohne die Sicherheit eines Partners oder einer Gruppe.  Wie möchten, wie die großen Abenteurer, Globetrotter und Draufgänger unsere eigenen Geschichten finden und erleben. Wir reisen alleine, weil wir stolz auf uns sein möchten. Stolz, etwas ganz alleine erlebt zu haben, wovor sich so viele  fürchten.

Wenn wir alleine reisen, hören wir zwangsläufig unserem Gedankenstrom zu. Wir können ihm nicht entfliehen. Es ist derselbe Gedankenstrom, der plötzlich ohne lästige Unterbrechung sich entfalten, verdrehen und verbiegen kann. Der Gedankenstrom, der endlich nach Jahren zu Ende gedacht und zu einer neuen Idee heranreifen kann. Und manchmal merken wir auch, dass die selben Gedanken, die uns Angst einjagten, beim genauen zuhören gar nicht so beängstigend sind.

Alleine unterwegs zu sein, bedeutet niemanden verpflichtet und nur für sich verantwortlich zu sein. Niemand da der uns leitet, uns motiviert. Aber auch niemand da, der unser Leben kommentiert, es ver oder beurteilt.

Dieses Gefühl kann befreiend sein. Dieses Gefühl kann süchtig machen.

Alleine zu reisen bedeutet, ausweichen zu können. Allem und jedem. Die Rede ist nicht vom fliehen, oder weglaufen, sondern von einer Atempause, in der wir uns sammeln und neu ordnen können.

Es bedeutet, Hindernisse und Probleme alleine bewältigen zu müssen. Sei es sprachliche, soziale oder menschliche. Alleine zu reisen, bedeutet alleine entscheiden zu können.

Es gibt einen Unterschied zwischen allein und einsam. Das erste entsteht aus einer Freiwilligkeit heraus, das zweite nicht. Das erste kann bereichern, vervollkommnen und verblüffen. Das zweite nicht. Auf eine gewisse Weise, sind diejenigen, die in der Lage sind alleine zu reisen, sich selber genug. Sie fühlen sich unterwegs nicht einsam, nicht einmal allein. Sie fühlen sich frei.

Um ehrlich zu sein, haben die Alleinreisenden nicht wirklich eine Wahl. Sie können sich gegen die Sehnsucht nicht wehren. Die Sehnsucht wirkt wie ein Ruf aus der Ferne. Sie überkommt uns und hält uns fest, bis wir nachgeben.

Wir, die Alleinereisenden, sind weder sonderbar noch egoistisch. Wir brauchen das alleine sein, genau so wie das Zusammensein.

Von MD