Glück und Freiheit

Es gibt so viele Momente, die das Leben schöner machen. Es kann ein Kleid sein, das eine Frau schöner macht, manchmal ein Kinderlächeln und manchmal nur eine gewöhnliche Tasse Kaffee. Doch gleichzeitig ist es so einfach diese Momente im Leben zu übersehen, sie zu verpassen und sie vorbei streichen zu lassen. Sich über etwas zu freuen, was einem bedeutungslos erscheint. Den kleinen Dingen im Leben etwas abzugewinnen, vielleicht ist das die wahre Kunst des Überlebens. Ich versuche stets diesem Moto treu zu bleiben. Gelingt es mir? Selten. Aber ich versuche es immer wieder, mit der Hoffnung es irgendwann zu meistern. So wie auch an diesem Morgen.

 

 

Es ist noch fast dunkel als ich aus dem Haus gehe. Der Tag hat sich noch nicht entschieden zu beginnen. Nur wenige Lichter brennen vereinzelt in den Fenstern, an denen ich vorbei laufe. Das Wetter ist stürmisch, die Wolken bedrohlich dunkel. Ich will trotzdem ans Meer. Chester, mein Hund scheint unbeeindruckt. Er marschiert zielstrebig Richtung Wasser. Er ist in der Frühe mit mir aufgestanden. Besser gesagt er war längst wach, als ich noch verschlafen aus dem Bett kroch. Manchmal glaube ich, er schläft nie, zumindest ist er nie müde, nie am Morgen. Sobald ich die Leine nur anschaue, steht er auf allen vieren an der Tür und zeigt seine Bereitschaft.

 

 

Von dem Weg aus, der durch die Dünen führt, höre ich bereits die wilden Wellen, die mit ihrer rohen Gewalt Richtung Küste prügeln. Ich nehme Chester die Leine ab und beobachte wie er geduldig und angespannt auf den Startbefehl wartet. Als ich „Los“ rufe, sprintet er los und stürzt sich ohne Rücksicht und Bedenken ins kalte Meer.

 

 

Manchmal glaube ich, dass dies die Momente sind, wo sein Glück greifbar scheint. Würde ich mich entscheiden müssen, wann er am lebendigsten scheint, ich würde genau diesen Moment wählen. Diesen kalten und für uns Menschen unerträglichen Moment. Ich brauche ihn nicht zu rufen, er würde nicht kommen. Zu laut ist der Ruf der Freiheit, zu groß der Wunsch nach Selbstbestimmung. Es ist seine Zeit, sie gehört nur ihm. Mir bleibt nichts anderes übrig als mich in den Sand zu setzen und zu beobachten.

 

 

Ich sehe wie er sich in die Wellen stürzt, wie sein ganzer Körper unter Wasser taucht. Ich höre wie er bellt und wie er den nassen Kopf schüttelt.  Und dann, erst langsam und dann immer klarer, fange ich an zu verstehen. Chester, mein Hund hat’s  längst begriffen. Genau das sind die kleinen Dinge im Leben, die wir nicht verpassen dürfen. Genau das sind die Momente die das Leben schöner machen.

Von MD