Whisky und der Hogwartexpress

 

 

 

Ich habe viel gelesen und gehört über die Gegend um Fort William. Na ja, im Vorfeld hört und liest man immer viel, ganz besonders wenn es ums Reisen geht. Jeder empfindet, sieht und erlebt anders. Mag für den einen ein Berg die pure Langeweile sein, so kann es sein, dass ein anderer am liebsten am Fuße jenes leben möchte. So bleibe ich skeptisch und teilweise unsicher, was unsere Tageseroute angeht. Die Landschaft, die ich auf den Fotos sah, beeindruckte mich nicht, die Beschreibungen über die Gegend, fand ich unspektakulär. Doch an diesem Tag, bereits nach wenigen Kilometern ändert sich meine Meinung grundlegend. Als erstes besuchen wir eine Whisky Destillerie.

Die Ben Nevis Distillery. Gegründet 1825 und benannt nach dem Berg den wir am Tage zuvor bestiegen haben. Ich mag kein Whisky, hab ihn noch nie gemocht, aber die Führung bei der ich all die Gerüche und Aromen einatme machen mich durstig. Ich probiere einen fünfzehn Jahre alten Scotch und finde ihn beschissen. Ich könnte so tun als ob, aber bei all dem Respekt für den Kult und die Legenden die um den Whisky  entstanden sind, es geht einfach nicht, ich bekomme ihn nicht runter. Was mir aus der Destille in Erinnerung bleiben wird sind die riesigen Kupferkessel und die roten Nasen der Mitarbeiter.

 

Wir fahren weiter Richtung Glenfinnan, ein kleines Dorf welches am Loch Shiel liegt. Unser erstes Ziel ist der Glenfinnan Viadukt, über den Harry Potter Richtung Hogwarts dampfte. Wir parken verbotenerweise am Seitenstreifen irgendwo in der Wildnis und laufen durch das hohe, orangene Gras. Nach fünfzehn Minuten stehen wir vor der 30 Meter hohen Brücke, die sich mit ihren 21 Bögen perfekt in die Natur angepasst hat. Das i-Tüpfelchen des Tages wäre natürlich der vorbeifahrende Hogwarts-Express und ein Foto davon. Na ja, man kann nicht alles haben. Wir fahren weiter und können uns an der Schönheit dieser Gegend nicht satt sehen. Diese endlos geraden Strassen, auf denen niemand außer uns zufahren scheint. Die Bens (die Berge), die Glens (die Täler) und die Lochs (die Seen) wechseln sich im Minutentakt ab und scheinen um unsere Aufmerksamkeit zu konkurrieren. 

Das schöne Wetter hört nicht auf, die Sonne weicht nicht von unserer Seite. Wir glauben an die Ruhe vor dem Sturm, erwarten ständig den Wetterwechsel der unsere Reise trüben könnte. Doch der Wetter ändert sich nicht, es bleibt sonnig und warm. Und so wird die Landschaft weiter in den goldenen Herbstfarben getaucht, die einen unglaublichen Kontrast zur den blauen Himmel bilden. Niergendswo passt der Begriff goldener Oktober besser als hier her. 

 

Unterwegs halten wir in einem kleinen Familienrestaurant an. Das Lokal hat zwei Bereiche. Links die Esstische , rechts der Pub, wo bereits am frühen Nachmittag reichlich Guinness fließt und die Jungs Billard und Dart spielen. Als ich auf die Speisekarte schaue entdecke ich ein schottisches Nationalgericht, welches ich mir nicht entgehenlassen möchte. Haggis. Es ist eine Speise aus Fleisch, Brötchen, Eiern, Gewürze und Mehl. Eigentlich sind es Schafsinnereien in einem Magen verpackt. Geschmacklich erinnert Haggis an die heimische Stippgrütze. Und Haggis schmeckt. 

 

Von MD