Barcelona Tag 2

Rambla und die Katalanen

 

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Am nächsten Morgen wache ich durch den Lärm der Strasse auf. Unten vor meinem Fenster pulsiert das Leben. Ich öffne die grünen Fensterläden und lasse die Morgensonne Barcelonas herein. Der kleine Balkon auf dem ich stehe bietet gerade mal platz für zwei. Die Aussicht von ihm ist dagegen phänomenal. Das Haus auf der gegenüberliegenden Seite scheint so nah dran, dass ich glaube herüber springen zu können. Ich kann der Reihe nach in jedes Fenster, jede Wohnung hinein schauen und frage mich wie man mit einer Privatsphäre leben kann, die nur hinter geschlossenen Fensterläden existiert.

Ziemlich früh am Morgen frühstücke ich in einem der Zahlreichen Cafes die man in Barcelona an jeder Ecke findet. Es sind fast immer geschmackvolle Minirestaurants mit kleinen Tischen, die draußen vor den Cafes unter den Straßenbäumen aufgestellt werden.

In den Cafes gibt es meist katalonische Speisen die mit ihrer Einfachheit geschmacklich überraschen. Es gibt nicht viele Städte auf dieser Welt, die sich so stark mit ihrer Kultur identifizieren wie Barcelona. Hier ist irgendwie alles katalanisch, der FC Barcelona ist allgegenwärtig, die katalanische Flagge weht fast vom jeden Gebäude und mit Spanisch kommt man hier nicht weit. Eine weile sitze ich einfach nur da, mit einem Becher Cafe Americano und beobachte wie die Menschen ihrer täglichen Routine nachkommen.

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Später laufe ich über die Rambla. Barcelonas berühmtem Boulevard. Hier verschwimmt alles in hektischer Vorwärtsbewegung. Ich werde regelrecht von den Kontrasten, von den Gegensätzen erdrückt. Die Menschenmassen, das Gedränge sind gewöhnungsbedürftig. Polen, Schweden, Amerikaner, Japaner fast alle Nationalitäten dieser Welt schlendern durch die Einkaufsstrasse. Auf der Rambla begegnet man tausenden von Gesichtern, die man nicht kennt, nie kennenlernen wird. Menschen, deren Vergangenheiten und Geschichten wir nie erfahren werden, was vielleicht sogar in Ordnung ist. Auf der Rambla erscheinen sie mir alle gleich. Alle gleich konsumsüchtig. Mögen die Grenzen, die Religionen, die Politik, die unterschiedlichen Wertvorstellungen für uns Menschen eine Barriere darstellen, der Konsum eint uns alle. Beim Kauf sind wir für einen winzigen Moment in Leben alle gleich glücklich.

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Barcelona Tag 3