Mallorca, mehr als ein Touristenort.

Manche Orte fordern ihren Tribut und behalten als Ausgleich etwas von einem Selbst. Manchmal ein Stück von deiner Seele und manchmal sogar alles was du vorgibst zu sein.

Mallorca

Ich habe in Mallorca stets mehr gesehen als einen Touristenort. Mehr als eine Insel auf der sich betrunkene und sonnenverbrannte tummeln. Mehr als Sonne, Sand und Mittelmeer. Die Natur und die Kultur dieser Insel können überwältigend wirken, selbst auf die, die hier seit Generationen leben. Schon aus dem Flieger heraus, sieht man ringsum das allgegenwärtige, tiefe Blau des Meeres und das märchenhafte Licht. Ein starker Kontrast zum europäischen Norden.

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Ich weiß nicht ob man Mallorca zu den schönsten Inseln im Mittelmeer zählen kann, aber ich weiß, dass sie zu den vielseitigsten und multikulturellsten zählt. Mallorca kann nie und nimmer vom Hotelpool aus begriffen werden. Nicht von den Bars, Kneipen und Strandpromenaden aus. Nein, Mallorca muss und will erforscht und gefunden werden. Hier werden Touristen zwangsläufig zu Entdeckern, zu Welten und Kulturverstehern. Ich habe nichts gegen Hotels, nichts gegen Pools und auch nichts gegen den Tourismus, ich finde nur diese Art des Reisens etwas langweilig. Viel interessanter ist es doch sich unter die Einheimischen zu begeben, mit ihren Alltag und ihrer Umgebung zu verschmelzen.

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Für sieben Tage mieten meine Familie und ich eine kleine Finca, in einem spanischen Viertel. Es war eine bewusste Entscheidung weitab des Massentourismus unter den Mallorquinern zu wohnen und ihrer kastilischen und katalanischen Sprache  zu zuhören. Es ist bemerkenswert, wie sich Mallorca nur wenige Kilometer von den Hochburgen entfernt verändern kann.Hier, wo wir vorübergehend leben, spricht kaum jemand deutsch oder englisch. Nicht die Nachbarn, nicht die Kellner und auch sonst kaum jemand auf den Straßen. In diesem Viertel sind die Einheimischen noch unter sich.

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Das kleine Haus in dem wir wohnen hat einen Garten in dem Zitronen und Aprikosenbäume wachsen. In einer Ecke des Gartens unter Bäumen versteckt steht ein tiefer aus Steinen gemauerter Brunnen. Oben auf dem Dach befindet sich eine Terrasse, von wo aus ich das Meer sehen und hören kann. Abends, wenn ich dort mit einem Buch sitze, höre ich die Familien, die sich zu Tisch versammeln. Höre wie sie mit Tellern und Töpfen klappern, wie sie lautstark lachen und diskutieren. Ich rieche ihre mallorquinische Küche, ihre Blumen, ihre Zitronen, Orangen und Pfirsichbäume. Und manchmal, wenn ich dort oben länger sitze und der Sonne beim Untergehen zuschaue bilde ich mir ein das Meer riechen zu können.

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Seit Jahren komme ich fast jedes Jahr. Ich zehre von der Vorfreude und von dem bloßen Gedanken an die Reise. Schon Wochen vorher, träume ich wie ich mit dem Auto langsam durch die kurvigen Straßen und durch all die schönen Orte gleite. Ich denke an die in der Sonne schimmernden Bauernhäuser, die oft am Rande des Meeres oder zwischen Berg und Tallandschaften stehen. Und ich denke an die Strandpromenaden und an die herrlichen Flaniermeilen. Ich höre die Glocken der Kathedrale und sehe vor meinem geistigen Auge wie sich all ihre Lichter nachts im Wasser spiegeln.

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Das alles zieht mich hier her, magisch und ein wenig unerklärlich. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, sind die Souvenirs und Mitbringsel längst vergessen und verstaubt, doch die Eindrücke und Erinnerungen so lebendig wie nie.

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Von MD

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