Norwegen und die Einsamkeit. Hardangervidda.

Hardangervidda

Im Schatten der Berge geht es immer weiter nach oben. Entlang einer Landstrasse, die sich wie eine Spirale höher und höher schraubt. Die üppigen Wälder weichen nach und nach einer steinigen und kraterartigen Berglandschaft. Doch mit der Zeit flachen auch die Berge ab, als ob sie jemand weggeschliffen hätte. Nur in weiter Ferne sehen wir sie noch klar und deutlich. Schneebedeckt, majestätisch und schön so wie nur Berge sein können. Dort am Rande des Horizonts müssen sie hoch und gewaltig sein. Die Hochebene schenkt uns Bilder, die in allen Farben leuchten. Die Landschaft Norwegens wechselt manchmal so schnell, dass ich vor lauter Eindrücken befürchte mich später nicht an alles erinnern zu können. Diese spektakuläre Natur erlebe ich in einem permanenten Wandel.

 

 

Wir halten am Rande der Straße, mitten im Nirgendwo und beschließen zu laufen.

Hier oben auf dem Plateau, ist das Wandern nicht selbstverständlich. Zumindest nicht das ganze Jahr über. Ich bin schon einmal hier gewesen, zu einer anderen Zeit. Obwohl es bereits Ende April war, erlebte ich den Winter meines Lebens. Der Schnee lag so hoch, dass man von manchen Hütten nur noch die Schornsteine sehen konnte. Kilometerweit nichts als weißes Land. Die Landstrasse wurde zu linken und rechten Meterhoch mit angehäuften Schnee flankiert. Die Temperatur sank mit jedem Höhenmeter bis sie schließlich zweistellig unter Null fiel. Verständlich, dass Roald Amundsen hier für seine Polarexpeditionen trainierte. (Sicherlich musste sich Amundsen seine Aussicht härter erkämpfen) Am Hardangervidda kann der Winter schon mal 8 Monate dauern. Diesmal ist die Landschaft weitgehend Schneefrei. Nur vereinzelt liegt hier und dort Schnee.

 

Norwegens Einsamkeit

 

Ich habe keinen blassen Schimmer, wo Hardangervidda anfängt und aufhört.

Das baumlose Land scheint unendlich weitläufig. Offen und breit erstreckt es sich so weit das Auge schauen kann. Etwa 150 Millionen Jahren bedeckte das Meer die Ebene und das Wasser formte bis zu einem Teil das heutige Bild von Hardangervidda-Plateau. Vielleicht deswegen die Plätte. Ich weiß, dass die nordischen Länder sehr einsam sein können, aber hier scheint die Einsamkeit ihren Uhrsprung zu haben. Schon lange nicht mehr, habe ich mich so allein gefühlt. Hier oben so weit im Norden ist niemand mehr. Keine Autos, keine Busse, eigentlich gar kein Verkehr.

 

Norwegen und die Landschaft

 

Die Einsamkeit kann für Reisende Vorteile haben.

Denn jenseits von allem und jedem bestimme ich das Tagesziel und die Etappe. Jetzt reise ich so wie ich leben möchte. Unabhängig und frei. Wir laufen etwa eine Stunde von der Strasse ins Landesinnere. Hier gibt es weder bedeutende Sehenswürdigkeiten, noch von Menschen erschaffene Attraktionen. Und doch beeindruckt die Hochebene. Überall finden wir kleine und große Bäche, die teilweise gefroren sind. Vielleicht immer noch, vielleicht schon wieder. Die Kälte macht hier was sie will.

 

Hardangervidda National Park

 

Weit entfernt sehen wir leuchtende blaue Seen. Sie bieten einen eigenartigen Kontrast zu der zerklüften Landschaft mit den rötlichen Gräsern und den weißen und schwarzen Bergen. Auch die schlichten Schneehütten sondern sich deutlich von der Umgebung ab, so als ob sie sich nicht in das Bild integrieren wollten. Hardangervidda ist still, sehr still. Norwegisch still, wie das restliche Land.

 

Norwegens Traumlandschafft

 

Etwa zwei Stunden laufen wir ziellos umher, bis wir merken, dass es dunkel wird und die restliche Sonne nichts mehr wärmen kann. Noch ein paar Fotos und die letzten Blicke über das dunkler werdende Land, dann gehen wir zurück.

 

Norwegen und die Landschafft

 

Es ist mehr als finster, als mein Sohn und ich wieder im Auto sitzen. Die letzten Meter konnten wir nur im Schein unserer Taschenlampen gehen. Vielleicht nicht besonders clever von mir. Das Plateau wird von nichts beleuchtet. Im Umkreis von geschätzten 50 Kilometern sehe ich nicht eine einzige Lichtquelle. Warum sollte auch jemand hier leben wollen, in einer Gegend wo Landwirtschaft und Viehzucht praktisch nicht existieren. In einer Gegend wo es für den Menschen nichts zu holen gibt, außer dem Charme der Wildheit und dem Nichts.

Von MD

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