Eilean Donnan. Loch Ness

Wie ein innerer Kompass zeigen mir meine Neugier und meine Sehnsucht nach diesem Land den Weg. Am frühen Morgen verlassen wir Isle of Skye und fahren der aufgehenden Sonne entgegen. Ich packe die Straßenkarte bei Seite und fahre im Schatten der Berge ohne ein bestimmtes Ziel zu haben Richtung Landesinnere. In mir bauen sich Zweifel auf, ich glaube den Höhepunkt der Reise bereits erreicht zu haben. Es ist schwer sich vorzustellen, dass diese Landschaft noch einmal übertroffen werden kann. Anderseits mangelt es Schottland nicht an Schönheit. Und dann, am Rande dieser Insel noch ein letztes Highlight, noch einmal gibt die Gegend alles.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie aus dem nichts taucht etwas vor uns auf, das stolz in der Morgensonne glänzt. Im ersten Moment nichts weiter, als alte Mauern die versuchen sich dieser Landschaft anzupassen. Als wir näher kommen offenbaren sich jedoch diese alten Gemäuern als das majestätische Bild von Eilean Donnan Castle. Noch nie in meinem Leben habe ich etwas von Menschenhand erbauten gesehen, dass so perfekt in die Umgebung hinnein passt. Eilean Donnan Castle ist wahrscheinlich die meist fotografierte Burg der Welt. Sie liegt auf einer winzigen Insel auf dem Wasser und kann nur über eine Brücke erreicht werden. (Später erfahre ich, dass sie bei Ebbe auch zu Fuß erreicht werden kann). Der Anblick dieser Burg ist beim entsprechenden Licht so atemberaubend, dass sie sogar in zahlreichen Filmkulissen vorgekommen ist. Highlander, Braveheart, Rob Roy und sicherlich viele weniger bekannte. Wir zahlen den Eintrittspreis und betreten 800 Jahre Geschichte. Aus dem Inneren schaut man durch kleine Fenster der Burg auf die gewaltige Bergkulisse und auf den Loch Duich. Das Sonnenlicht draußen auf dem See erleuchtet alles in bunten Farben. Wir eilen auf den Burghof hinaus und halten das Naturspecktakel mit der Kamera fest.  Ich weiß, am Ende dieser Reise werde ich mich vor allem an diese Farben erinnern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der kleine Hof, die steinernen Treppen, die Burgmauern, das alles hier ist Geschichte und Geschichte gehört zum Reisen dazu. Manche Räume sind so authentisch erhalten worden, dass man das Gefühl bekommt als Eindringling unberechtigter Weise im privaten Zimmer herumzulaufen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir können nicht ewig in der Burg bleiben, für uns geht es weiter. Entlang einer gleich schön bleibenden Landschaft, fahren wir Richtung Loch Ness. Dem Loch Ness welcher ein Mythos ist und vielleicht tatsächlich ein Geheimnis bewahrt. Loch Ness liegt im Great Glen. Etwa zehn Kilometer südwestlich von Inverness, nach langer Überlegung unserem Tagesziel. Es sind eigentlich nur 130 Kilometer. Doch es sind 130 Kilometer durch eine Landschaft, die das schnelle Fahren verpönt.          Wir fahren jetzt durch die Region Schottlands, die das gängige Bild von Schottland maßgeblich geprägt hat. Hier bestehen die Dörfer nur aus einer Handvoll Häusern und manche von ihnen stehen soweit in der Einsamkeit entfernt, dass ein Kleinstadtbewohner wie ich, sich fragen muss wie ein soziales Leben in einer solchen Zurückgezogenheit möglich ist.

 

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Während wir weiter fahren, erleben wir den ständigen Lichtwechsel, der dem atlantischen Wetter zugeschrieben wird. Mal leuchtet es herbst golden, mal versinkt alles in einem Meer aus dichtem hellblauen Nebel. Und dann doch schneller als erwartet taucht er auf. Wir sind am Loch Ness.

 

 

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Wir fahren über 30 Kilometer an dem See entlang. Der Loch Ness ist weder der größte, noch der Tiefste See der britischen Inseln. Aber der Loch Ness hat eine Geschichte, die wir alle kennen. Ich kann mich nicht dagegen wehren, suche den See zwangsläufig nach ungewöhnlichem ab. Nach einem Buckel im Wasser, einer ungewohnten Wellenbewegung, oder nach einem langen Hals der aus dem Wasser ragen könnte. Doch es passiert nichts. Nessie lässt sich nicht blicken. Am Loch Ness bekomme ich die schlechteste Mahlzeit meines Lebens. Chips and  fish, eigentlich lecker, eigentlich Kult. Doch dieser Fisch ist weder frisch, noch gewürzt. Das Zeitungspapier in dem ich ihn eingewickelt bekomme, ist das Interessanteste an dieser Mahlzeit. Hungrig und enttäuscht steige ich wieder in meinen Leihwagen und fahre weiter Richtung Inverness. Man kann nicht alles haben im Leben.

 

 

Am Ende dieses Tages erreichen wir Inverness, wo wir in einem netten Hostel übernachten. Mein Reisepartner und ich schlender nachdenklich durch die kleine Innenstadt, wo die shoppenden sich auf ihre Art austoben könne. Jeder von uns versucht das Elrebte auf seine Weise zu verarbeiten. Ich persöhnlich tue es am libsten in der Stille, dann wenn ich die Gedanken frei entfesseln kann. Als ich spät abends in einem Pub sitze und über diese Reise nachdenke, kommt mir eine Erkenntnis. Manchmal ist es schwer eine Reisen zu beginnen. Doch dann, mit jedem Schritt, jedem Tag, jedem gefahrenden Kilometer, kommt das Gefühl der Freiheit näher und die Ängste und Unsicherheiten verschwimmen in den unbekannten Landschaften und Kulturen der Länder die wir entdecken wollen. Manchmal verschwinden sie in den Farben und Lichtern. Manchaml in einem Meer und dem sandigen Strand. Manchmal in der Architektur. Und manchmal in dem Gefühl etwas erlebt zu haben.

 

 

Von MD

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