Norwegen

 Eine beschwerliche Anreise, verfallene Häuser und der weite Weg zur Kanzel

 

Als mein Handywecker klingelt, brauche ich einen Moment um zu realisieren, dass ich in Norwegen bin. Um genauer zu sein in Kristiansand. Endlich. Die gestrige Reise steckt mir noch in den Knochen. Acht Stunden Autofahrt, plus drei Stunden mit einer stark in der Nordsee schaukelnden Fähre. Jetzt ist es sechs Uhr morgens.Bei dem Gedanken an den bevorstehenden Tag, verfliegen allerdings die Müdigkeit und der Schmerz. Was aufkommt, ist eine Mischung aus Aufregung  und Vorfreude.

Es ist Reisezeit und Reisezeit löst in mir etwas Besonderes aus. Es verleiht mir ungeahnte Energieschübe. In regelmäßigen Abständen brauche und suche ich dieses Gefühl des unbegrenzten Freiseins. Ich brauche das Ausbrechen aus dem Alltag, aus der täglichen Routine, die sich immer wieder in mein Leben einschleicht.

Wir packen die Sachen wieder ein, die wir wenige Stunden zuvor ausgepackt haben und eilen in den Frühstücksraum. Wir, das sind mein Sohn Noah und ich. Noah ist zehn. Ich habe lange überlegt ob er die Strapazen einer Reise mit mir überstehen wird. Früh aufstehen, lange fahren, viel laufen. Hinzu kommen unregelmäßige Mahlzeiten und lange Tage. Bis kurz vor der Abfahrt habe ich befürchtet, dass er noch abspringen könnte. Ich habe ihm nichts verschwiegen und auch nichts verschönert. Nun ist er hier, mit mir. Ich glaube es wird eine gute Vater Sohn Geschichte.

Ich reise oft alleine, nicht weil ich fliehe, sondern weil ich die Einsamkeit in einer scheinbar unberührten und wilden Landschaft suche. Weil ich dann ich selbst sein kann, weil ich dann erkenne wo ich hingehöre. Aber die Bitte meines Sohnes mitkommen zu dürfen, mochte ich nicht abschlagen. Außerdem macht es mir nichts aus, dass er dabei sein möchte. Er ist ein angenehmer Zeitgenosse, der mit zehn Jahren viel Verständnis zeigt.

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Bereits eine halbe Stunde nach dem Frühstück sitzen wir im Auto und kämpfen uns durch den Morgenverkehr. Die Strassen sind voll. In Kristiansand endet nicht nur die Europastrasse von Oslo, hier verlaufen auch viele andere Verkehrsknotenpunkte durch. Die Trucks, die Pkws, die Touristenbusse die von den Fähren kommen, werden ebenfalls in Kristiansand ins Landesinnere verteilt.

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Doch bereits wenige Kilometer hinter Kristiansand, lichtet sich nicht nur der Verkehr, sondern wir bekommen auch eine Vorahnung auf das was dieses Land zu bieten hat. Die ersten tiefblauen Fjorde mit ihren stillen Buchten tauchen wie aus dem nichts auf. Ich erinnere mich, als ich selber das erste Mal hier entlang gefahren bin. Wie ich nicht wusste wo ich zuerst hinschauen sollte, wie ich fürchtete etwas übersehen zu haben. Daher erkenne ich die Begeisterung in den Augen meines Sohnes wieder und teile sie mit ihm.

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Die E39 entlang geht es Richtung Stavanger. Unsere Fahrt wird immer wieder unterbrochen, weil wir anhalten um zu Fotografieren und um zu staunen. Nach zwei Stunden Autofahrt rasten wir eine halbe Stunde an einem Platz mit phänomenaler Aussicht. Von einer Anhöhe aus, schauen wir auf eine Ansammlung von roten und weißen Häusern. Der kleine Ort liegt direkt am Wasser umringt von grün bewachsenen Bergen.

 

 

Im Wasser, an den Holzstegen erkennen wir festgemachte Boote. Es sind Segel und kleine Anglerboote. Die Menschen die dort leben, brauchen nur durch ihre Gärten zu gehen um sie zu erreichen. Ob jemandem der hier lebt ein solcher Ort irgendwann zu viel werden kann?

 

 

 

 

Nach dieser kurzen Pause, brechen wir auf. Wir fahren vorbei an verfallenen Häusern, die scheinbar verlassen wurden. Doch selbst als Ruinen, besitzen sie noch ihren Charme und hinterlassen ihre eigene, vielleicht etwas zu traurige Geschichte. Wir fahren weiter, vorbei an schnell fließenden Flüssen. Vorbei an dichten Wäldern und vorbei an hübschen roten Häusern, die oft am Wasser liegen und scheinbar kein Recht auf Individualität beanspruchen.

 

 

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Es ist bereits Mittag als wir den Hafen von Stavanger erreichen. Von hier aus möchten wir mit der Fähre rüber nach Tau. Von Tau aus wiederum sind es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem Tagesziel. Dem Preikestolen. Definitiv das Highlight des heutigen Tages.

Der Preikestolen ist ein natürliches Felsplateau mit einer 600 Metern senkrecht abfallenden Wand. Von dort Oben hat man eine Göttliche Aussicht auf das umherliegende Land. Allerdings muss die Aussicht ziemlich mühsam erwandert werden. Ein etwa zweistündiger Fußmarsch über Stock und Stein

Doch jedes Mal wenn ich dort oben völlig K.O direkt an der Kante stehe und weit hinein ins Landesinnere schaue, scheint meine Gier nach dem Glücklichsein für einen Moment gestillt zu sein.

   Die Überfahrt mit der Fähre nutzen wir dazu, um uns etwas vor der Wanderung zu erholen. Erst jetzt, als wir aus den Fenstern schauen, sehen wir in welcher Gunst wir bei dem Wettergott stehen. Der Himmel ist so klar, dass er mit dem Fjord auf dem wir gerade unterwegs sind um die Wette strahlt. Sollte das Wetter so bleiben, wird es eine einmalige Wanderung.

 

>>>Hier geht´s zum zweiten Teil. Der Preikestolen<<<

 

 

 

 

 

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