Ben Nevis und die Highlands

1344 Meter in den Highlands

Wandern befreit, wandern entlastet. Nicht körperlich, sondern emotional. Und beschwerliches Wandern, befreit und entlastet noch mehr. 1344 Meter, der Brocken im Harz ist etwa gleich hoch, aber Ben Nevis ist anders, nicht so wanderfreundlich wie der Brocken, Ben Nevis hat’s in sich.

 Der Aufstieg bietet eine spektakuläre Aussicht und zwar von Anfang an. Wir haben Glück, die Sonne scheint ungehindert auf uns herab. Und überhaupt, wo ist eigentlich das schlechte schottische Wetter. Vierzehn Grad, es ist warm, vielleicht etwas zu warm für uns und Ben Nevis. Mit jedem Meter Höhe, mit jedem weiterem Schritt, schauen wir etwas weiter über den Horizont hinaus. Es ist atemberaubend, schon fast mystisch und magisch. Man kann sie schon beneiden um diese Aussicht, diese Schotten.

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Weiter oben wird es stiller, friedlicher, nicht nur Drumherum, sondern auch in einem drin. Durch die Anstrengung und Mühe, verlangsamen sich meine Gedanken, sie rasen nicht mehr sinnlos umher. Das Wandern ist wie das übrige Leben. Ohne Anstrengung keine Belohnung.

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Auf dem Weg nach unten, bin ich besonders vorsichtig. Die Steine sind locker und rutschig. Und als ich mich umdrehe und nach Martin schaue, traue ich meinen Augen nicht. Hinter uns zwei Schotten, in kurzen Hosen, T-Shirts und Laufschuhen. Wo kommen sie plötzlich her, was tun sie so dicht hinter uns? Und dann begreife ich. Es sind Läufer, sie rennen in einem waghalsigen Tempo den Berg hinunter. Einer von ihnen stolpert, stürzt und schreit vor Schmerz auf. Als ich zu ihm eilen möchte, ist er bereits wieder auf den Beinen und rennt weiter. Der andere Läufer hat sich nicht einmal umgeschaut. So sind sie also, die Schotten. Hart im nehmen. 

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Später, unten in der Stadt sitzen wir beide in einem kleinen Fischrestaurant. Es gibt Krabbensuppe und Brot. Der Laden ist sündhaft Teuer, aber das ist mir egal nach so einem Tag, wir haben es uns verdient. Ich schaue entspannt aus dem Fenster, irgendwo da draußen geht die Sonne unter, irgendwo hinter dem Ben Nevis. Beim Reisen werden mir Glücksmomente geschenkt, die ich mir Zuhause im Alltag mühsam erkämpfen muss. Sei es durch Zerstreuung, Alkohol oder Konsum. Vielleicht reise ich deswegen so gern, weil ich den Schwachsinn dann nicht brauche.

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Von MD

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