Barcelona

Ein uralter Fahrstuhl, ein unvollkommenes Meisterwerk und Bratkartoffeln

 

 

Viele unserer Entscheidungen sind Zufälle. So sind auch unsere Reisewege nicht in Stein gemeißelt. Die Entscheidung Barcelona zu besuchen war völlig spontan gefallen. Ich klickte, ich sah, ich buchte. Ein paar Tage später sitze ich im Flugzeug einer spanischen Billigairline. Bereits aus dem vereisten Flugzeugfenster erkenne ich die schachbrettartige  Straßenanordnung des Viertels Eixample. Irgendwo dort unten, denke ich, befindet sich mein Hotel. Irgendwo dort werde ich vier Tage wohnen, in einem Hotel mit einem Uralten Fahrstuhl in einem kleinen Zimmer mit einem noch kleineren Balkon.

Ich habe mit der Hotelrezeption abgemacht, dass ich am Flughafen abgeholt werde. Ich stelle mir vor, wie der Fahrer des Hotels in der Flughafenhalle im  schicken Anzug meinen Namen in die Höhe hält. Stattdessen kommt ein schmieriger Typ in einer dreckigen Hose 30 Minuten zu spät und hält einen zerknüllten Zettel auf dem mein Name falsch geschrieben steht. Man kann nicht alles haben im Leben.

 

Die Fahrt vom Flughafen ins Hotel dauert 40 Minuten. Der Verkehr ist das blanke Chaos, doch der Fahrer schlängelt sich geschickt durch. Vorbei an unzähligen Reisebussen, Taxis und Motorrollern. Motorroller, alleine von bloßem Hinsehen bekomme ich eine Gänsehaut. Für nichts in der Welt würde ich mich auf so ein Ding bei dem dichten Verkehr setzen. Und doch sieht man sie überall. Rom, Madrid, Athen, Lissabon, Paris, Bangkok und Shanghai.

Überall auf der Welt scheint es Menschen zu geben, die mit ihrem Leben bereits abgeschlossen haben.

 

 

Das Hotel in dem ich einchecke, befindet sich ganz in der Nähe der Avinguda Diagonal und etwa 10 Minuten Fußmarsch von einer der berühmtesten Kathedralen  der Welt. Gaudis Sagrada Familia, ein architektonisches Meisterwerk und gleichzeitig das Wahrzeichen Barcelonas. Vom Hotel aus laufe ich durch enge Gassen in Richtung der Kathedrale. Die Kathedrale ist riesig und wunderschön. Es ist das Lebenswerk eines detailverliebten Mannes, das Lebenswerk eines Genies. Die Fassaden beinhalten Botschaften und biblische Ereignisse. Leider ist die Sagrada Familia ein Tourimagnet. Zehntausende drängeln sich um das Gotteshaus und machen es zu einem überfüllten Attraktionspark.

 

 

Am Abend des ersten Tages sitze ich in einem kleinen Restaurant. Von Touristen keine Spur. Ich scheine der einzige nicht Katalane zu sein. Die Bedienung spricht weder englisch noch deutsch. Mit Händen und Füssen werde ich mit den schönen Kellnerinnen einig und bestelle eine einfache katalonische Speise. Bratkartoffeln mit geräucherten Schinken. Dazu ein Glas Rotwein. Der Laden ist voll, die Katalanen unterhalten sich auf ihre typische südländische Art. Sie gestikulieren und lachen viel. Die Katalanen mögen es laut. Es sind genau diese Momente, die ich nicht erklären kann. Sie lösen in mir etwas aus, das mich beim Reisen so begeistert.

 

 

Ich habe mir vor langer Zeit geschworen dieses Gefühl nie wieder los zulassen, diesem Gefühl nach zu Reisen.

 

 

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